Ein Kunstwerk aus der Reihe "ANGEKRATZT - SCRATCHING THROUGH THE SURFACE"

ANGEKRATZT - SCRATCHING THROUGH THE SURFACE

Kuratiert von Jeannine Burch und Ludwig Seyfarth

Eröffnung Donnerstag, 17. September 2026
19 - 21 Uhr

Ausstellungsdauer 18. September - 18. Oktober 2026

Die Ausstellung findet statt bei:

Verein für Original-Radierung München e.V. 
Ludwigstrasse 7 Innenhof | 80539 München

Öffnungszeiten während der regulären Ausstellungsdauer
Mittwoch - Freitag: 15 - 19 Uhr

Das Einritzen oder Einkerben in Höhlenwände oder Baumrinde gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Hierin besteht der prähistorische Hintergrund der Bearbeitung von Holz- oder Metallplatten, deren Oberflächen eingefärbt und auf Papier abgedruckt werden. Die Möglichkeiten des Druckens reichen damit weit über die herkömmlichen Techniken hinaus. Was zunächst naheliegend erscheint, eröffnet bis heute neue künstlerische Möglichkeiten.

Ottjörg A. C. hat auf weltweiten Reisen über 300 Schultische mit den in sie hineingeritzten Text-, Bildbotschaften und kryptischen Zeichen in verschiedenen Farben abgedruckt. Carmen Schaichs Radierungen entstehen, indem sie Glasplatten wiederholt mit einer Schleuder beschießt und dann durch eine Druckerpresse zieht. Ihre Weltkarte STRANGE LOVE zeigt eine von Einschlägen bedrohte, aber noch nicht auseinanderbrechende Erde. Beide künstlerischen Positionen verdeutlichen, dass die Bearbeitung einer Oberfläche letztlich auch eine Verletzung ist, die Spuren erzeugt, freilegt oder überträgt. Zugleich kann der Druckprozess selbst als eine Form der Transformation verstanden werden: Das aufgelegte Papier nimmt die Spuren der Verletzung auf, bewahrt sie und macht sie sichtbar, wie eine Narbe, die nicht nur von einer Beschädigung erzählt, sondern auch von einem Prozess der Verarbeitung und Erneuerung.

Über die Künstler

Carmen Schaich
Carmen Schaich (*1987 in Stuttgart) lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Düsseldorf. Sie studierte Freie Kunst bei Andrea Büttner an der Kunsthochschule Mainz sowie Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. An der Kunstakademie Düsseldorf setzte sie ihr Studium bei Analia Saban fort und war Meisterschülerin von Franka Hörnschemeyer.

Ihre künstlerische Praxis umfasst Druckgrafik, Zeichnung, Skulptur und Installation. Im Zentrum steht das Spannungsverhältnis von Präzision, Zufall und Zerstörung. Für ihre Glasradierungen entwickelte Schaich ein eigenes Verfahren, bei dem sie Glasscheiben mit einer Steinschleuder beschießt. Die entstehenden Einschläge, Risse und Bruchlinien werden im Tiefdruckverfahren auf Papier übertragen. So entstehen fragile Bildwelten, in denen sich technische Kontrolle und die Unberechenbarkeit des Materials begegnen.

Ottjörg A. C.
Ottjörg A. C. (*1958 in Heidelberg) ist ein deutscher Künstler, dessen Arbeit sich zwischen Druckgrafik, ortsbezogenen Interventionen und gesellschaftlicher Spurensuche bewegt. Seine künstlerische Praxis führte ihn unter anderem nach China, Brasilien und in zahlreiche europäische Metropolen.

Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Frage, welche Geschichten sich in alltägliche Oberflächen einschreiben. Für sein internationales Projekt Deskxistence bereiste er Schulen auf fünf Kontinenten und fertigte Direktdrucke von Schultischen an. Eingeritzte Namen, Zeichnungen, Botschaften und Zeichen werden so zu einem vielstimmigen Archiv individueller Erfahrungen und gesellschaftlicher Wirklichkeiten. Indem Ottjörg A. C. diese Spuren unmittelbar auf Papier überträgt, bewahrt er flüchtige Zeugnisse des Alltags und macht sie als eigenständige Bildwelten sichtbar.